Letzt in der Bahn, zwei Reihen vor mir, unterhielten sich vier junge Frauen angeregt über die neuesten Geschehnisse aus dem Bekanntenkreis. Mit voller Überzeugung in der Stimme, eine wirklich sensationelle Story zu teilen, schilderte eine der Vier ihr neuestes Wissen über das Leben und Verhalten einer (scheinbar nicht anwesenden) Frau. Zunächst hielt ich meine Aufmerksamkeit bei mir und einem Buch, doch diese Art der Unterhaltung hielt für die Dauer meiner einstündigen Bahnfahrt an. Und so kam der Punkt, an dem ich mir über die Themen und die Art und Weise, wie die jungen Frauen über die Lebensausschnitte ihrer Bekannten sprachen, Gedanken machte.
Sie verwendeten die gesamte Stunde, um sich, mit teils dramatischer Betonung, mit dem Verhalten der Anderen auseinanderzusetzen. Ich würde behaupten, diese Gesprächsthemen ließen keine gute Energie zurück. Vielmehr hatte ich das Gefühl, es fiel ihnen leichter, lebhaft die Lebensausschnitte anderer zu kritisieren oder zu kommentieren, als ehrlich und mutig bei sich selbst zu bleiben. Eine Situation, die uns allen wahrscheinlich irgendwie bekannt vorkommt. Und hier möchte ich einhaken: Was machen wir mit unserer Energie?
Es ist in Ordnung, wenn wir uns manchmal vor den eigenen Herausforderungen verstecken möchten. Für eine gewisse Zeit funktioniert das möglicherweise auch ganz gut. Und irgendwann kommt dann der Moment, an dem die Herausforderung vor uns steht und gesehen werden möchte. Auch diesen Moment wirst du meistern, vielleicht mit passender Unterstützung. Glaub an dich!
Doch wofür setzen wir unsere Energie dann ein, wenn wir uns nicht gerade unseren Herausforderungen stellen? Wofür verwenden wir unsere Zeit?
Wir haben die Wahl. Die Wahl, die uns manchmal überfordern kann, die uns dennoch wachsen lässt und uns Freiheit schenkt. Denn Dinge, auf die wir keinen Einfluss haben, können wir nicht wirklich verändern. Wir können uns an ihnen aufreiben, festbeißen oder an ihnen verzweifeln. Aber vielleicht können wir uns auch herantasten, sie – so wie sie sind – anzunehmen und uns bewusst für die Dinge zu öffnen, auf die wir Einfluss nehmen können. Das braucht ein bisschen Übung. Gib dir die Zeit, die es dafür braucht.
Wie wäre es gewesen, wenn die vier jungen Frauen in der einstündigen Bahnfahrt stärkende und anerkennende Worte ausgetauscht hätten? Wenn ihre Themen, die sie hätten beeinflussen können, am Ende eine positive Energie zurückgelassen hätten? Hätte das nicht einen guten Effekt auf alle gehabt?
Du bist wichtig. Jede:r einzelne von uns ist wichtig. Und so wie du dich bewusst oder unbewusst für Worte und Handlungen entscheidest, zeigt sich ein
(un-)mittelbarer Effekt. Und das gilt für jede:n von uns. Du kannst zwar nicht alles geben, was das Leben auf dieser Erde bräuchte. Aber du kannst dem Leben geben, wozu du dich bewusst entscheidest. Und das kann schon eine ganze Menge sein. Du bringst zum Beispiel direkt eine Portion Lebenskraft in dein Umfeld, in dem du anderen ein Lächeln schenkst oder positiv von deinem Umfeld sprichst.
Es gibt immer Licht, wenn wir nur mutig genug sind, es zu sehen, wenn wir nur mutig genug sind, es zu sein.
Amanda Gorman
Vielleicht lassen meine Worte es jetzt so erscheinen, dass von dir erwartet wird, dass du innerlich und äußerlich jederzeit strahlen solltest. Dem ist nicht so. Es ist menschlich, eine Vielfalt von Emotionen und Gedanken zu haben, die auch ausgelebt werden möchten. Sich mit der eigenen Schattenseite wiederzufinden, eröffnet uns manchmal sogar die Chance, daraus mehr Empathie und Verständnis für andere in ähnlichen Situationen zu entwickeln. Mir ist dabei jedoch wichtig, dass wir unsere Möglichkeit nicht außer Acht lassen, unsere Handlungen und Worte wählen zu können. Viel zu oft verfallen wir in den Autopiloten und rauschen durch unseren Alltag, ohne uns wirklich bewusst zu sein, dass wir unsere Energie positiv beeinflussen können. Es geht bestimmt nicht immer und auch nicht ganz ohne Übung.
Und trotzdem möchte ich dich einladen, das Licht in dir zu suchen und mit jedem Sonnenaufgang heller scheinen zu lassen. Du bist wichtig für uns. Lasst uns gemeinsam aufleuchten, für mehr Respekt, Liebe und Akzeptanz im Miteinander! Sei du der Anfang in deinem Umfeld!
Du bist wichtig.